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Isle of Man

I survived Mad Sunday –
Ein Reisebericht zur Tourist Trophy 2005 auf der Isle of Man

‚I survived Mad Sunday‘: so stand es zu lesen auf dem T-Shirt eines begeisterten Besuchers des größten Motorrad-Straßenrennens der Welt der Tourist Trophy (TT) auf der Isle of Man (IoM). Warum es etwas Besonderes ist, diesen als ‚verrückt‘ bezeichneten renn- und trainingsfreien Sonntag, zwischen den beiden Veranstaltungswochen Ende Mai / Anfang Juni der Tourist Trophy zu überleben, werde ich gleich erklären. Doch vorher soll ersteinmal die IoM und die meist in einem Atemzug genannte TT bekannt gemacht werden.

Die Isle of Man ist eine ca. 60 km lange und 40 km breite, in der Irischen See zwischen England/Wales/Schottland und Irland gelegene, Insel. Sie ist bewohnt von ca. 75000 Manx, wie sich die Bewohner selbst nennen. Die Hauptstadt Douglas (knapp 24.000 Einwohner) liegt in einer Bucht und gilt als geschäftiges Zentrum der schönen Insel, mit ihren mittelalterlichen Burgen, der alten Dampfeisenbahn, den viktorianischen Gebäuden und der abwechslungsreichen, unberührten Natur.

Interessanterweise ist die Insel zwar britisch, gehört aber nicht zum Vereinigten Königreich. Diese Unabhängigkeit drückt sich auch durch das eigene Geld, welches dem englischen Pfund allerdings sehr ähnlich ist, aus. Manx Pfund und englisches Pfund gelten gleichermaßen auf der IoM, da aber Manx Pfund nur auf der Insel Wert hat, sollte man vor Verlassen der Insel Manx Pfund in englisches Pfund umtauschen. Es gibt sogar ein eigenes internationales Kraftfahrzeug Kennzeichen. ‚GBM‘ steht für ‚Great Britain Man‘. Das Wahrzeichen der Insel sind die drei Beine oder Triskel, ein altes keltisches Sonnensymbol.

Die TT wird seit 1907 auf der IoM ausgetragen. Ursprünglich sollte es in Großbritannien stattfinden. Dort herrschte allerdings zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein striktes Tempolimit von gerade einmal 24 km/h. Die Isle of Man kannte eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht, so dass die Veranstalter entschieden, das Rennen hier stattfinden zu lassen.
Die Besonderheit: Der Klassiker unter den Motorradrennen wird nicht auf einer Rennstrecke, sondern auf normalen Straßen ausgetragen - vorbei an Häusern mit Vorgärten und quer durch idyllische Landschaften. Die Straßen sind überwiegend schmal, hohe Bordsteine auf beiden Seiten sorgen für einen halsbrecherischen Kurs. Immerhin werden die rund 60km in ca. 18min durchfahren, was einer Durchschnittgeschwindigkeit von 200km/hr entspricht! Die Zuschauer können das Rennen hautnah miterleben. Besonders interessante Streckenpunkte sind mit Namen versehen, wie z.B. Ballaugh Bridge (Links-Rechts Kombination mittendrinnen eine huckelige Brücke) oder Gooseneck (kurviger Streckenabschnitt). Für die Dauer des Trainings oder Rennens sind die entsprechenden Straßen verständlicherweise gesperrt, was zu nicht unerheblichen Einschränkungen der Mobilität auf der Insel führt.

Jedes Jahr treffen sich auf der IoM bis zu 40000 Motorradfahrer um der TT, dieses Jahr vom 28. Mai bis zum 10. Juni 2005, beizuwohnen. Entsprechend verwundert fielen die Kommentare meiner Kumpel aus, daß ich norddeutscher, meist ruhiger und gesetzter mitvierziger Familienvater mich in dieses Getümmel stürzen wolle. Doch selbst der Hinweis, die fahren doch alle auf der falschen Seite - britischer Linksverkehr eben – konnte mich nicht davon abbringen. Wohl jeder Motorradbegeisterte hat schon davon geträumt einmal bei der TT auf der IoM dabei zu sein. So zögerte ich (Yamaha XJ 900 S) nicht lange als sich mir die Gelegenheit bot mit Matthias (Yamaha XV1000), Andy (Honda CBR1000RR), Marek (Kawasaki XS650) dem Alltag in Stade bei Hamburg durch einen Kurztrip zur TT vom 2. – 8. Juni zu entfliehen.

Wie konnte es anders sein, wenn man Richtung Groß Britannien fährt, muß es regnen. So war es leider auch am Tag unserer heiß ersehnten Abreise (Donnerstag) und wir waren froh den Komfort der P & O Northsea Ferries Fähre ‚Pride of Rotterdam‘ zu genießen, als diese am 2. Juni (Do.) gegen 21:00 Uhr in Rotterdam die Leinen los machte. Die Regenwolken waren inzwischen der Sonne gewichen und wir genossen die sinkende Sonne auf dem Deck mit einem erfrischenden Bier.

Auf der Autobahn in Holland wurden wir noch fernsehreif von einer Staatskarosse mit Motorrad-Eskorte von der Überholspur verjagt. Ein Motorradfahrer der voranfahrenden, platzschaffenden Eskorte machte durch seine Gestik uns unmissverständlich klar, daß wir tunlichst auf der rechten Spur zu bleiben hätten. Ob er etwa glaubte wir wollen nicht auch schnell ans Ziel?

Ausgeruht dank einer ruhigen Überfahrt in einer Vier-Bett Kabine mit Dusche/WC und gestärkt durch ein reichhaltiges Abend- und Frühstücksbuffet warteten wir nervös am nächsten Morgen gegen 9:00 Uhr (Freitag, local time = MESZ – 1h), wann endlich in Hull sich der Bauch der Fähre öffnet und uns in den Linksverkehr in Richtung nächstes Etappenziel Heysham entläßt.

Der Himmel war bedeckt und wie erwartet ungewohnt war dann auch zunächst der Linksverkehr, erst recht wenn man wie in Hull, gleich mehrere der in Groß Britannien so beliebten Kreisel durchfahren muß. Gut ist aber, wenn auf den Straßen reger Verkehr herrscht. So gibt es immer jemanden an dem man sich orientieren kann. Am Ende unseres Trips war sogar der Linksverkehr eine Selbstverständlichkeit und wir hatten die Vorzüge des fließenden Verkehres durch die Kreisel liebgewonnen.

Waren mit der ‚Pride of Rotterdam‘ schon einige Motorradfahrer unterwegs, so war die Fähre ‚Lady of Mann‘ der Steam Packet Company von Heysham nach Douglas mit Motorradfahrern total überfüllt, als diese gegen 15:00 ablegte. Mangels ausreichender Sitzplätze verbrachten viele Reisende, wie wir leider auch, die 3.5 stündige Überfahrt auf dem Deck sitzend oder liegend. Gott sei Dank war es inzwischen ein richtig schöner sonniger Tag geworden. Spätestens jetzt wurde sichtbar warum es sich empfiehlt rechtzeitig, was heißt mindestens ein halbes Jahr vor Reiseantritt, zu buchen. Die Motorräder wurden zum Teil in dreier Reihen nur mit Stricken gesichert. Es war so eng daß man nur mit Mühe zu seinem Motorrad kam. Als Andenken hat jetzt die Verkleidung meiner XJ-900S eine Schramme.

Auf der Fähre kann man auch das Official Programme der TT kaufen, um sich über die TT vorab zu informieren. Was es bedeuted, während der Renn-/Trainingszeiten auf der IoM unterwegs zu sein, erfuhren wir dann auch bei unserer Ankunft in Douglas. Da gerade auf dem Rennkurs trainiert wurde und unser Campingplatz Cronk Dhoo direkt an der Rennstrecke bei Greeba lag, mußten wir warten bis das Training vorbei war. So hieß es bereits am ersten Abend erst einmal Rennatmosphäre zu schnuppern, was wir bei ‚Quarterbridge‘, einer 90° Rechtskurve in Douglas taten. Dieser Punkt ist sehr beliebt wegen der Nähe zum Stadtzentrum und wohl auch wegen des Pub’s. Hier gönnten wir uns dann auch erst einmal einen großen ausgezeichnet schmeckenden CheeseBurger zum Abendbrot.


 

Auf der Fähre



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Ich muß gestehen, daß ich noch nie bei einem Rennen war. Umso mehr war ich beeindruckt, wie schnell man doch mit einem motorisiertem Zweirad um die Kurve kommen und dann aus ihr herausbeschleunigen kann. Das Ganze unterlegt mit einem irren Motorensound. Für viele ‚Normalsterbliche‘ ist das nur Lärm, aber für uns begeisterte Zuschauer war das Musik in den Ohren. Durch die vielen Zuschauer hatten wir leider nur beschränkte Sicht und jeder Versuch mit meiner kleinen Digitalkamera einen Rennfahrer im Bild einzufangen schlug fehl, sie waren einfach zu schnell.

Vor und nach jedem Rennen/Training fährt ein sogenannter Marshall, gekennzeichnet mit einer neongelbenen Weste, mit seiner Straßenmaschine die Rennstrecke ab. Erst wenn er sein OK gibt, kann das Rennen gestartet werden bzw. wird die Strecke für den Straßenverkehr wieder freigegeben.

So hofften wir auch, das der Marshall bald an uns vorbeifährt, damit wir endlich weiter zum Zeltplatz fahren und noch im Hellen die Zelte aufbauen könnten. Gegen 20:30Uhr endlich fuhr er nicht, nein er raste förmlich an uns vorbei. Wo war da noch ein Unterschied zwischen Rennfahrer und Marshall? Wen wundert’s, wenn man weiß, daß es sich bei Marshall’s überwiegend um ehemalige Rennfahrer handelt.

Kaum war der Marshall durch, wurden alle Absperrungen beseitigt. Verblüffend schnell herrschte hektische Betriebsamkeit auf den Straßen und wir mitten drinnen auf dem Weg zum Zeltplatz, den wir Gott-sei-Dank doch noch im Hellen um 21:30Uhr nach kurzer Irrfahrt erreichten.

Die Cronk Dhoo Camping Site ist auf einem gepflegten hügeligen Farm-Gelände angesiedelt. Uns war nach Ruhe, darum entschieden wir uns möglichst weit oben auf dem Hügel die Zelte aufzubauen. So konnten wir die herrliche Aussicht genießen und der ständige Motorenlärm auf der Straße drang nur noch gedämpft zu uns herauf.

Leider regete es am nächsten Morgen (Samstag). Wir fuhren rechtzeitig los um in Douglas bei Tesco, einem amerikanisch wirkendem Supermarkt, den wir auf der Anreise zufällig gefunden hatten, Verpflegung einzukaufen. Hier konnten wir auch frühstücken, hungrig wie wir waren, gönnten wir uns alle ein ‚Great Breakfast‘ - Würstchen, süße Bohnen, Kartoffel-Rösti’s, gebratener Schinken und Spiegelei mit Toast. Das man so etwas Frühstück nennen kann? Jedenfalls wußten wir nach dem Essen nicht, ob wir uns vorher oder nachher besser fühlten.

Dummerweise hatten wir so viel Zeit vertrödelt, dass wir es nicht mehr schafften aus Douglas rauszukommen. Eigentlich wollten wir uns einen Tribünenplatz entlang der Rennstrecke sichern. Dazu kam es aber nicht mehr, denn mittlerweile war es 12:00 Uhr und die Straße war für Training und Rennen gesperrt und es war absolut verboten dann noch die Strecke zu überqueren.

Per Zufall gelangten wir dann nach ‚Bray Hill‘, einer geraden Strecke einen Berg hinunter nahe Start/Ziel. Hier lernten wir die britische Geduld kennen. Die Strecke war noch nicht ganz abgetrocknet vom Regen, der inzwischen aufgehört hatte und Stunde um Stunde wurde der Start des Superbike Rennens verschoben. Die Zuschauer nahmen es gelassen und in dem Maße, wie die Strecke trocknete wurden die Stimmung feucht fröhlicher. Ein kleiner Laden an der Ecke machte das Geschäft seines Lebens, in dem er die durstigen Kehlen mit Nachschub versorgte. Schließlich entschied die Rennleitung das Superbike Rennen auf Sonntag ‚Mad Sunday‘ zu verschieben und nur ein paar Trainingsrunden Superstock und anschließend 3 Runden Sidecar Rennen durchzuführen, weil es zu spät geworden war.

Als dann endlich die ersten Rennfahrer gegen 16:30Uhr vorbeibrausten kam mir unwillkürlich der Begriff ‚gehirnamputiert‘ in den Sinn. Die Fahrer holen hier auf der abschüssigen Strecke in mitten eines Wohngebietes wirklich alles aus den Maschinen raus, was wohl den Reiz dieser Stelle für die Zuschauer ausmacht. Ein Fahrfehler auf der engen Straße und man knallt gegen die auf der Insel so typische Steinmauer. Aber solche Gedanken wurden schnell verdrängt durch die Faszination die wohl der Straßenrennsport ausmacht und die selbst mich in ihren Bann zog.


 

Auf der Fähre 2



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Beim Heimweg dann mußten wohl alle Motorradfahrer das Gesehene nachvollziehen. Wir waren schon zügig unterwegs, dennoch kamen wir uns wie ein Verkehrshindernis vor. Abends saßen wir dann draußen in einem Pub direkt an der Strecke, welches man gut zu Fuß vom Zeltplatz erreichen konnte, bei Pizza, Roast Beef oder Fish & Chips. Mit Blick auf die Straße wurden wir gut unterhalten. Hatten wir doch den Eindruck, das Rennen würde jetzt auf der Straße in anderer Form weitergeführt. Einer wurde überholt, und der Überholende wurde dann noch selbst, mit Höchstgeschwindigkeit auf unübersichtlicher Strecke überholt. Gegenverkehr, was ist das? Mehr als einmal bereiteten wir uns seelisch darauf vor Erste Hilfe leisten zu müssen, aber irgendwie ging alles glücklicherweise ohne Unfall ab. Wir stellten zu unserem Erstaunen fest, hält dann einmal so ein Raser an und nimmt den Helm ab, dann ist es nicht der vermeintlich jugendliche Heißsporn, sondern wie im Komik einer mit ergrauten Haaren.

Nachdem es in der Nacht geregnet hatte, krochen wir am Mad Sunday (Sonntag) aus unseren Zelten. Die schöne Aussicht vom Berghang unseres Zeltplatzes, wird in der Nacht durch Schräglage beim Schlaf erkauft. So klagte jeder von uns, daß wir immer wieder zusammengekauert am Fußende, oder neben unseren Matratzen aufwachten.

Man ist ja lernfähig, auch im Alter. Darum wollten wir heute rechtzeitig los und möglichst im Norden der IoM, im äußeren Bereich der Rennstrecke, uns einen Beobachtungspunkt suchen. So blieben wir wenigstens, nicht wie am Vortag, ein wenig beweglich und könnten notfalls den Norden auch während des Rennens erkunden.

Je weiter wir nach Norden an diesem Tag fuhren, desto regnerischer und trüber wurde es. Da wir dieses Mal genügend Zeit bis zu dem Rennen hatten, steuerten wir zunächst den nördlichsten Punkt der IoM an, den Leuchtturm am Point of Ayre. So viele schöne, vom Wasser abgeflachte Kieselsteine wie hier, habe ich noch nie auf einem Haufen gesehen. Ich ließ es mir nicht nehmen ein paar davon als Andenken mitzunehmen.

Neben dem Linksverkehr lauerten noch andere Gefahren auf den Straßen der IoM, die Gullydeckel nämlich. Nicht selten stieß man auf rechteckige, so gut wie unprofilierte Metallplatten. Wenn man dann bei Regen, in leichter Schräglage auf so einen Gullydeckel trifft, fährt einem ganz schön der Schreck in die Knochen, wie mir passiert, wenn man erst mit dem Vorderrad und dann mit dem Hinterrad wegrutscht.

Normalerweise findet am Mad Sunday kein Rennen statt und ein Teil der Strecke von Ramsey nach Douglas wird als Einbahnstraße ausgewiesen, damit jeder auch einmal die Geschwindigkeit ohne Gegenverkehr selbst hautnah erleben kann.

Während unseres ganzen Aufenthaltes auf der IoM haben wir nur eine Geschwindigkeitskontrolle per Laserpistole der Polizei gesehen, die morgens bis abends an der gleichen Stelle stattfand. Wie wirkungslos das ist, kann man sich leicht vorstellen. Zumal zu fragen ist, wen will die Polizei anhalten, wenn fast zeitgleich ganze Motorradgruppen vorbeidonnern.

Vom Point of Ayre wendeten wir uns südöstlich in Richtung Ramsey. Das Wetter wurde wieder zunehmend besser. Wir stellten unsere Motorräder am Hafen ab und shoppten ein wenig durch die auch am Sonntag geöffneten Läden. Schließlich suchten wir uns einen Platz auf einer langen Geraden im Stadtzentrum kurz vor ‚Parliament Square‘ (90° Rechtskurve). Die Rennfahrer beschleunigten aus einer Kurve heraus, teilweise hoben die Vorderräder ab. Wahnsinnge Geschwindigkeiten und man war von der Strecke nur durch ein Absperrungsseil getrennt! Radio Manx berichtete, teilweise auch in deutscher Sprache, vom aktuellen Rennverlauf. So ist man immer informiert und weiß ziemlich genau, wenn man auch noch die Rundenzeit (ca. 18min) im Hinterkopf hat, wann der in Führung liegende Lokal-MatadorJohn McGuinness, IoM wieder vorbeibraust. Rückblickend fand ich Ramsey zum Zuschauen am besten. Gute Sicht zur Strecke, Einkaufsmöglichkeiten und öffentliche Toiletten am Bahnhof der Manx Electric Railway. Was will man mehr!

Nach dem Rennen war geplant, von Ramsey entlang der Mountain Road nach Douglas zu fahren. Damit hätten wir die Rennstrecke dann auch einmal komplett umfahren. Doch am Ortsausgang stauten sich hunderte Motorräder. Ich weiß leider nicht warum. Jeder wollte im Uhrzeigersinn wie die Profis den Rennkurs fahren. Wir entschlossen uns wegen des Staus gegen den Uhrzeigersinn wieder zum Zeltplatz zu fahren. Es war einfach unglaublich, wieviele Motorräder auf der rechten Spur bereits schon standen oder uns noch entgegen kamen.



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Zu Anfang, fuhren wir erst noch sehr vorsichtig, wurden aber ständig überholt. Ein bißchen Spaßfaktor will man ja auch haben, so passten wir uns den herrschenden Geschwindigkeitsverhältnissen an. Kurvige- und gerade Stücke wechselten sich ab - wie herrlich kann Motorradfahren sein. Schließlich fuhren wir, was unsere Kisten hergaben, die Vernunft war ausgeschaltet - man lebt nur einmal. Immerhin kamen uns noch auf der Gegenfahrbahn eine entlose 60km lange Motorradkarawane entgegen und die wollten mindestens ebenso schnell unterwegs sein wie wir!

Mein Mut zum Risiko wurde dann aber ziemlich bald genommen, als in einer S-Kurve mir gleich mehrere Motorradfahrer auf meiner Spur beim Überholen entgegenkamen. Gut wenn man da nicht voll am Limit fährt. Mir kam wieder der T-Shirt Aufdruck in den Sinn, der mir bei einem Zuschauer in Ramsey auffiel: ‚I survived Mad Sunday‘. Viele Motorradfahrer auf einer schönen Strecke praktisch ohne Limits, führt fast zwangsweise zu einer Dynamik, die dich einfach mitreißt. Ohne Rücksicht auf Risiken und Konsequenzen wirst Du in einen Fahrrausch versetzt. Es wird immer wieder von vielen Unfällen auf der IoM während der TT berichtet. Ich kann mir jetzt vorstellen warum.

Mit einem Hochgefühl und froh unbeschadet zu sein, erreichten wir unseren Zeltplatz. Wir machten uns frisch und fuhren dann mit einem Taxi-Bus, die öffentlichen Buse waren zum brechen voll und hielten schon gar nicht mehr an, nach Douglas zur abendlichen Mad Sunday Party. Für tolle Stimmung sorgten, neben der Sonne die jetzt herauskam, Bierzelte mit Live Music, ein Jahrmarkt und tolle Stuntshows. Ich konnte es kaum glauben was man auf einem Motorrad nur auf dem Vorder- oder Hinterrad fahrend alles machen kann. Wir sprachen dem Bier sehr zu, darum sind meine Erinnerungen vom Heimweg im Bus etwas lückenhaft.

Am nächsten Tag (Montag) ließen wir es ruhig angehen. Es war immer noch sonnig und wir beschlossen jetzt den Süden der Insel nach dem Rennen zu erkunden. So stellten wir uns in Douglas an die ‚Governor’s Bridge‘, dem wohl langsamsten, doppel U-förmigen Streckenabschnitt der TT. Hier konnte man die Rennfahrer um die Kurven ‚kriechen‘ sehen. Man könnte meinen, ebenso schnell an dieser Stelle fahren zu können. Es ist interessant dabei zu beobachten, wie unterschiedlich doch die Kurvenlinie gefahren wird. Hier trennt sich die Rennfahrer-Spreu vom Weizen.

Noch während des Rennens machten wir uns auf den Weg in Richtung Süden in den geschichtsträchtigen Süden der IoM. Castle Town war viele Jahrhunderte die Hauptstadt der Insel. Wie der Name schon andeutet, steht hier eine Festung, die den kleinen malerischen Hafen bewacht. Das alles wirkt maritim und südländisch. Port Erin im Südwesten der IoM erinnert an einen Badeort fernab vom Trubel der TT. Sehr schön ist auch Peel im Westen. Dort genossen wir bei Kaffee und Kuchen an der Strandpromende die Aussicht auf die Ruine St. Patrick’s. Kinder badeteten. Obwohl die Temperaturen in Motorrad-Montur angenehm waren, wäre ich dennoch nicht auf die Idee gekommen, ins Wasser zu gehen. Die Manx sind abgehärtet.



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Auf der Fahrt nach nach Peel fuhren wir an einer Unfallstelle vorbei, der erst kürzlich passiert sein musste. Motorradfahrer sicherten und leiteten den Verkehr. Polizei und Rettungskräfte waren noch nicht da. Ein Motorradfahrer/in lag in stabiler Seitenlage auf der Straße. Keine Ahnung was passiert sein könnte. Bei aller Raserei auf der IoM blieb es Gott-sei-Dank der einzige Unfall, den wir wahrnahmen. Hoffentlich nichts Schlimmes.

Da wir es immer noch nicht geschafft hatten, die Rennstrecke ganz zu umfahren, starteten wir einen zweiten Anlauf. Das Rennen war gerade beendet und wir fuhren mit den Massen nördöstlich nach Ramsey, um von dort endlich über die Mountain Road nach Douglas zu fahren. Wie es der Teufel wollte, war auch diesesmal die Strecke gesperrt. Benzin war wohl ausgelaufen und musste erst beseitigt werden. Wir übten uns in Geduld, parkten auf dem Bürgersteig und legten eine kurzweilige Zwangspause ein. Marek spannte die schlotternde Kette seiner XS-650 und die anderen beobachteten den schier endlosen Strom von Motorradfahrern, die meinten an der Warteschlange vorbei fahren zu müssen, um dann doch wieder umzukehren.

Das Warten lohnte sich, denn sonst hätten wir den wohl schönsten Streckenabschnitt verpasst, die Mountain Road entlang dem Snaefell, den mit 650m höchsten Berg auf der IoM. Der Name Snaefell erinnert an Fjell, der Bezeichnung für norwegische Berge und so ähnlich herb-schön wirkt auch die Landschaft. Neben der schönen Straße kann man von der Mountain Road die herrliche Aussicht zurück nach Ramsey oder nach Douglas genießen. Aufpassen musste man nur wenn man auf einen Parkplatz abbiegen wollte, nicht immer wurden die Blinker gesehen, auch wenn man rechtzeitig blinkte. Denn viele waren nach wie vor sehr schnell auf dieser Strecke unterwegs. Um ganz sicher zu gehen nicht übersehen zu werden, bekam ich den Tip, zusätzlich noch wie beim Radfahren die Hand rauszuhalten, den ich an dieser Stelle gerne weitergebe.



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Angekommen in Douglas bummelten wir noch ein wenig durch die Fussgängerzone und gönnten uns dort noch einen doppelten Cheeseburger mit Chips. Leider war damit unsere Zeit auf der IoM so gut wie abgelaufen. Unsere Gedanken kreisten schon um die Vorbereitungen der Abfahrt frühmorgens am nächsten Tag.

So war für uns um 5:30Uhr am Dienstag die Nacht zu Ende, gegen 7:00Uhr wollten wir bei der Fähre sein. Auf der Fähre angekommen suchten wir uns diesesmal gleich einen Sitzplatz. Die Fähre war voll, aber nicht überfüllt wie bei der Anreise.

Bei der Rückfahrt in strahlendem Sonnenschein durch England ist dummerweise die XJ-1000 von Matthias liegen geblieben. Da wir die Maschine nicht flott kriegten, mussten wir sie notgedrungen stehen lassen. So hieß es Gepäck verteilen und Matthias als Sozius mitnehmen. Der ADAC in Verbindung mit dem britischen AAA regelte derweil die Reparatur und Rücktransport. Man kann sich vorstellen, dass wir drei Kreuze machten, als wir abends auf der ‚Pride of Rotterdam‘ beim Abendbuffet saßen. Wohlbehalten, aber auch kaputt, waren wir dann am nächsten Tag (Mittwoch) gegen 16:00 Uhr zu Hause.

Zuerst dachte ich, schön das Du einmal bei der Tourist Trophy auf der IoM dabei warst, das reicht jetzt auch. Ein Motorradtraum ist in Erfüllung gegangen. Doch je länger ich zurückblicke, desto mehr reift in mir der Gedanke irgendwann noch einmal zur IoM zu fahren. Drei Tage auf der Insel sind zu kurz um die Insel in Ruhe zu erkunden. Sie bietet viel mehr als einfach nur die TT. Ob ich dem Bann der Insel noch einmal erliege, wer weiß, die Zeit wird es zeigen.

Volker Kahlich

(Der Reisebericht ist in gekürzter Fassung unter dem Titel ‚Ideallinien auf der Insel?‘ im Kradblatt Ausgabe Januar 2006 erschienen)



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