Frankreich-Solotour 2023

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Seit 2014 fahren wir, das heißt die Männergruppe, jedes Jahr, Ende August beziehungsweise Anfang September auf eine gemeinsame Motorradtour.

Für 2023 war eine Tour durch die Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela in Spanien geplant. Der Zeitraum war auch schnell gesteckt und wir wussten, wir müssen bei der Länge der Tour etwas mehr Zeit einplanen als in den vorherigen Jahren. Bisher haben wir für die Touren 11 Tage geplant, aber diesmal hatten wir vor, ein paar Tage dranzuhängen.
Doch dann kam alles anders. Als erster musste ich aussteigen, ich bin eine berufliche Verpflichtung eingegangen, die mich zwang in dem geplanten Zeitraum in Stade zu bleiben.
Dann stellten sich bei Mitgliedern der Gruppe, oder im direkten familiären Umfeld, auch noch gesundheitliche Probleme ein, dadurch wurden die Gruppen nochmal wieder kleiner.

Ich hatte für mich entschieden, allein auf Tour zu gehen. Ich hielt am Ziel Pyrenäen fest, aber verkürzte die Tour in der Planung.

Für die erste Etappe wählte ich das vertraute Ziel „Landgasthof Ochsen“ in Friesenheim. Die Übernachtung im letzten Jahr hat mir dort sehr gut gefallen und von der Entfernung ist es ein guter Start für eine längere Tour.
Normalerweise fährt Bernd voraus und hat die Route geplant. In diesem Jahr musste ich alles allein machen und in der Planung war eigentlich noch alles in Ordnung aber bei der Umsetzung habe ich dann ein bisschen versagt. Ich bin fast 100 Kilometer mehr gefahren als im Jahr davor, weil ich gleich am Anfang der Strecke mehrere Probleme hatte. Zuerst musste ich eine Umleitung fahren dabei kam mein Navi ein bisschen durcheinander. Ich habe dann ist die Route gestoppt und beim Neustart eine von Bernd geplante Route aus dem Vorjahr erwischt. Es hat etwas gedauert bis ich den Fehler erkannte und bin entgegen meiner Planung in die andere Richtung gefahren.
Als ich den Fehler erkannte habe ich meine Route wieder geladen musste einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Kurz vor dem Erreichen meines Zieles war ich so im Rausch, dass sich stumpf an der Abfahrt vorbeigefahren bin und mich nicht von Norden, sondern von Süden meinem Ziel nähern musste. Das brachte dann noch mal einige Kilometer auf die Uhr nichtsdestotrotz, nachdem es aufgehört hatte zu regnen habe ich die Fahrt im Sonnenschein sehr genossen und die Zeit hat auch gereicht, um meine Klamotten zu trocknen.
Im Hotel konnte ich mich dann den kulinarischen Köstlichkeiten hingeben. Der Kater hat mich, wie im letzten Jahr, auch wieder begrüßt. Das ist für mich so besonders weil der Kater fast genauso aussieht wie mein eigener. Ich habe mich auch gefreut, MitarbeiterInnen aus dem Vorjahr wiederzusehen, das spricht zum einen für den Arbeitgeber aber auch fürs Personal, ich habe mich wieder sehr gut aufgehoben gefühlt und werde gerne wieder dort nächtigen.

Am ersten Abend habe ich mein Navi von alten, nicht mehr benötigten Routen, befreit.
Als ich meine Augen aufschlug wurde ich von Sonnenschein überrascht. Es versprach also ein schöner Tag zu werden.
Das reichhaltige Frühstück versüßte mir den Start in den zweiten Tag meiner „Solotour 2023“ zusätzlich.
So gestärkt belud ich meine GS und brach in Richtung Süden auf. Mein nächstes Ziel war die Landschaft Vercors.

Vor vielen Jahren sind meine Frau und ich, beide damals auf unseren Transalps, zufällig durch die Region gefahren. Ich fand die Straßenführung und die Landschaft dort so beeindruckend, ich wollte immer mal wieder dort hinfahren. Leider hatte ich keine Idee, wo wir seinerzeit waren. Es war deutlich in der Ära vor Handy, Navi und Internet. Im vergangenen Jahr entdeckte ich zufällig ein Foto von der „Combe Laval“ und konnte so die D76 in meine Routenplanung einbeziehen. Nun konnte ich ja, das Internet nutzen.
Unterwegs traf ich auf einen Autofahrer, der seine Kippe immer fleißig aus dem Fenster hielt. Ich hatte wieder mal Angst vor der Glut im Gesicht oder auf meiner Textilkleidung. Also fuhr ich neben ihn, um zu signalisieren das er das lassen solle, doch er verstand mich nicht und bot mit stattdessen einen Zug von seiner Zigarette an.
Eine Unterkunft hatte ich noch nicht gebucht. Mein nächstes Ziel war der „Col de la Machine“. Auf dem Weg wollte ich eine Unterkunft suchen.
Bis zum Col waren es über 600 km also startete ich zunächst auf der Autobahn. Diese habe ich dann nach knapp 200 km verlassen und bin in Richtung Süden gefahren. Mit Kurviger.de hatte ich eine kurvige Route geplant. Nach ca. 550 km veränderte sich meine Wahrnehmung. Wenn vor den Lokalen Leute an der Straße saßen und äßen und tranken, stellten sich Gedanken ein wie „Oh, mit dem würde ich jetzt gerne tauschen“ oder „Ja, höchste Zeit auch einen Schlafplatz zu finden“.
Ich fand jedoch nichts, was mich zum Bleiben motivierte. Ich fuhr also einfach weiter und erreichte, leider schon bei einsetzender Dunkelheit, die „Route Touristique de Combe Laval“ deren wunderschönen Ausblicke ich nun eher nur erahnen konnte, und das „Hostel Quartier Libre“. Ein Einzelzimmer konnte ich leider nicht mehr ergattern, jedoch akzeptierte ich ein Bett in einem 8-Bett-Zimmer. Ich war so müde und hungrig das es mir für diese Nacht egal war, ob ich mir das Zimmer teilen musste. Zum Glück hatte ich nur einen Zimmergenossen etwa in meinem Alter. Ein Italiener, der mit seiner Gold Wing auf Tour war. Er sprach Italienisch und Französisch, ich nur Deutsch und Englisch. Eine Konversation zwischen uns gestaltete sich nicht so recht.
Im Restaurant habe ich der Karte nichts entnehmen können was mir auch nur ansatzweise bekannt vorkam. Da ich nirgends das Wort „Foie“ entdeckte konnte nichts wirklich Schlimmes passieren. Ich bestellte zielsicher das vegetarische Tagesgericht, ok, das war in meinen Augen das Zweitschlimmste. Es hat mir jedoch gut geschmeckt und mit ein paar Bierchen erreichte ich schnell die nötige Bettschwere.
Als ich am Morgen erwachte, und es war noch recht früh, war mein Bettnachbar und sein Gepäck verschwunden. Ich befürchtete ihn mit meinem Schnarchen vertrieben zu haben und hatte ein schlechtes Gewissen. Es war so früh, dass es noch kein Frühstück gab. Ich machte mich dann auch schon mal startklar.
Beim Frühstück traf ich dann meinen Zimmergenossen. Wir „radebrechten“ ein wenig. Ich habe mich für mein eventuelles Schnarchen entschuldigt, aber das war kein Problem. Er kann immer nur kurz schlafen und war schon mal unterwegs, um zu fotografieren. Das Wetter war lud zu einer solchen Aktion geradezu ein.
Nach dem Frühstück bin ich dann auch erst einmal die D76 wieder nach Norden gefahren, um zu filmen und zu fotografieren. Ein wunderschöner Start in den neuen Tag.
Nach dem Frühstück bin ich nochmal die tolle Strecke „Route touristique de Combe Laval“ (D76) in Richtung Norden gefahren, um die beeindruckende Aussicht zu genießen.
Das Foto ist von einem der Aussichtspunkte dort entstanden.
Wunderschöner Tourauftakt. Kein Verkehr und vor allem, keine wild parkenden Verkehrsteilnehmer. Ich war recht flott unterwegs und habe später Videos von anderen Motorradfahrern gesehen mit all den „unerwarteten“ Hindernissen.
Dann führte meine Route weiter in Richtung Süden. Von der D76 bog ich dann nach rechts in die D199 ab. Ein kurzer Stopp an einem, noch im Bau befindlichen, Aussichtspunkt belohnte mich mit einem Blick ein weites Tal.
An den Straßenrändern fand ich immer wieder blühende Streifen vor. Die Wiesen und Felder waren reichlich mit blühendem Mohn durchsetzt. Teilweise war ein Teppich aus grün und rot ausgebreitet. Diese Streckenabschnitte habe ich sehr genossen. Ich habe solche Blütenpracht an deutschen Straßen nur selten gesehen.
Mich überraschte eine Straße, die sehr viel Ähnlichkeit mit der am Morgen befahrenen Straße im Vercors hatte. Steile Felswände auf der einen Seite, eine Schlucht auf der anderen. Zwar nicht so tief aber ebenfalls beeindruckend.
In sehr schön geschwungenen langen Kurven verließ ich scheinbar eine Hochebene und kam in ein Gebiet mit starkem Ginsterbewuchs. Die gelbe Blütenpracht hat mich sehr beeindruckt. Auf diesem Streckenabschnitt habe ich dann auch die ersten Wanderer gesehen. Ich denke es waren Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela denn je näher ich den Pyrenäen kam, desto mehr wurden es.
Ich erreichte am Nachmittag die ersten, schon ersehnten, blühenden Lavendelfelder und gönnte mir eine Fotopause und das genussvolle einatmen dieses wunderbaren Duftes.
Dann erreichte ich Aussichtspunkte, von denen ich aus großer Höhe in das Tal auf den Tarn schauen konnte. Dort traf ich ein schwedisches Ehepaar das mit einem Wohnmobil unterwegs war. Wir tauschten uns ein wenig über unsere gemeinsame Begeisterung für diese französische Landschaft aus und verabschiedeten uns freundlich bei mittlerweile sehr stark angestiegenen Temperaturen. Das Ehepaar freute sich auf die Klimaanlage und ich mich auf den kühlenden Fahrtwind.
Ich genoss dann meine Weiterfahrt auf sehr kleinen Straßen und traf auf ein deutsches, Motorradfahrendes Pärchen in Nöten. Die Dame hatte ihre GS auf einer kleinen Brücke beim Versuch ein Foto zu schießen auf die Seite gelegt. Sie passte gerade zwischen Motorrad und Brückenmauer, doch war kein Platz um das Motorrad zum Aufrichten vernünftig zu greifen. Ich kam gerade rechtzeitig um bei der Bergung zu helfen. Der Dame ging es gut, nur die GS hatte sich um ein paar kleine Anbauteile erleichtert.
Ich konnte hier auch noch ein paar Fotos schießen und sorgenvoll in den immer schwärzer werdenden Himmel blicken. Ich hatte zwar kein bestimmtes Tagesziel doch wollte ich noch ein wenig Strecke machen. Also, ab durch den Regen.
Nach einigen Kilometern überholte ich das Pärchen erneut. Dieses Mal haben sie nur gestoppt um die Regenklamotten anzuziehen.
Nach dem Wolkenbruch kam die Sonne wieder mit voller Macht durch. Meine Kameras beschlugen von innen wie nach einem Tauchgang. Ich war nun in den Cevennen und erfreute mich an den weiten Ausblicken über Hügel und Täler die Aussahen als hätte jemand ein Billardtuch in eine Berglandschaft geworfen.
Ich folgte der Straße direkt am Tarn entlang auf den ich leider nur gelegentlich einen Blick werfen konnte. An einem Aussichtspunkt habe ich dann in die Schlucht geblickt und die an die Felswand gebauten Häuser bewundert.
Eine Unterkunft zu finden gestaltete sich an diesem Tag recht schwierig. Die gefundenen und angefahrenen Hotels hatten entweder Ruhetag oder waren dauerhaft geschlossen. Da sich das Wetter sehr positiv entwickelte genoss ich die Hotelsuche in der beeindruckenden Landschaft. In Nivoliers wurde ich dann fündig.
In diesem Hotel fand ich ein uriges Zimmer. Die Zimmerdecke war ein Gewölbe wie das im Restaurant.
Ich genoss mein erstes französisches drei Gänge Menü und lernte eine Gruppe Wanderer kennen. Die Herren waren deutlich jenseits von 70 Jahren alt und wanderten schon seit Tagen durch die Cevennen. Sie sprachen eine Mischung aus Deutsch und Französisch. Ich erfuhr das sie aus dem Elsass kamen und mit diesem Sprachengemisch aufgewachsen seien. Einer der betagten Männer ließ sich vor meinem Motorrad fotografieren, um seiner Frau zu signalisieren was er sich zum nächsten Vatertag als Geschenk wünscht.
Es war eine sehr nette und lustige Gruppe.
Spezialstraße im Laufe des Tages.
Einfahrt verboten, doch wenn es nicht anders geht, dann bitte nur mit 20 km/h. :-)
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
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